Im Januar 2027 blickt die gesamte Handballwelt gespannt auf die IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland. Vom 13. bis zum 31. Januar kämpfen die besten Handballnationen der Welt um den Weltmeistertitel. Doch wer sind die Favoriten? Wer sind die Stars der Teams? Und wer trainiert eigentlich die besten Nationen der Welt? Hier gibt es einen Überblick. Heute im Fokus: Frankreich.
Die Stars einer neuen Generation
Der Umbruch der französischen Handball-Nationalmannschaft ist vollzogen. Seit dem Rücktritt von Luka Karabatic im Februar 2025 ist die goldene Generation endgültig passé. Das Team um die Karabatic-Brüder, Daniel Narcisse und Valentin Porte gewann zwischen 2006 und 2014 unzählige Titel. Nach ihrem Abgang müssen nun andere Spieler das Zepter in die Hand nehmen.
Einer von ihnen ist Ludovic Fabregas. Der Kreisläufer ist nach dem Rücktritt von Luka Karabatic zum neuen Kapitän gewählt worden. Der 29-jährige Fabregas ist ein zentraler Eckpfeiler im Spiel der Franzosen. Im Angriff zählt er zu den torgefährlichsten Kreisläufern der Welt, in der Abwehr stabilisiert er den Innenblock der Mannschaft. Neben den französischen Farben vertritt Fabregas seit 2025 wieder die des FC Barcelona.
In der katalanischen Hauptstadt spielt Fabregas mit Dika Mem zusammen. Er spielt bereits seit 2016 für den FC Barcelona. Beim spanischen Top-Team hat er die Kapitänsrolle inne- allerdings nur bis 2027.Nach der Saison 2026/27 wird Mem Barcelona verlassen, um sich den Füchsen Berlin anzuschließen. Die Qualitäten des athletischen Rückraumrechten sind begehrt. Schließlich zählt er zu den besten der Welt auf seiner Position.

Nicht minder begehrt dürfte Nedim Remili sein. Der 30-jährige Linkshänder kann sowohl auf Rückraum Mitte als auch auf Rückraum Rechts eingesetzt werden. Der rechte Rückraum ist im französischen Team allerdings mit Dika Mem bereits exzellent besetzt. Remili weicht deshalb auf die Mitte aus. Das gleiche Schema lässt sich bei seinem Verein One Veszprém HC erkennen. Auch hier dirigiert Remili das Offensivspiel von der zentralen Position aus.
Die drei Ausnahmekönner sind die Anführer der neuen französischen Generation. Titel haben sie mit Frankreich und Teilen der goldenen Generation schon gewonnen. Nun soll das auch gänzlich ohne sie gelingen. Der erste Versuch bei der EHF EURO 2026 ging schief. Im Januar starten die französischen Superstars bei der Handball-Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland den nächsten Anlauf. Dieses Mal überraschenderweise mit einem neuen Mann an der Seitenlinie.
Ein Weltklasse-Trainer für ein Weltklasse-Team
Der siebte Platz bei der EHF EURO 2026 ist zu wenig für die hohen Ansprüche der Franzosen. Trainer Guillaume Gille nimmt sich selbst in die Pflicht. Nach reiflicher Überlegung tritt er überraschend im Februar 2026 als Trainer der französischen Nationalmannschaft zurück. Der Verband sucht einen neuen Trainer. Sie werden fündig; gewinnen einen großen Namen für den Posten: Talant Dujshebaev. Der Name Dujshebaev steht für Weltklasse als Spieler und Trainer.
Die jüngeren Handballfans werden sicherlich den Trainer Talant sowie die Spieler Alex und Daniel Dujshebaev kennen, die älteren kennen aber auch Talant als Spieler. Der in Kirgistan geboren Talant ist seiner Zeit einer der besten Spieler der Welt. Zweimal- 1994 und 1996- wird er als Welthandballer des Jahres ausgezeichnet.
Im Nationaldress spielt er zunächst für die Sowjetunion. Später schließt er sich dem spanischen Handballverband an. Für beide Nationen bestreitet er über 100 Länderspiele. Auch im Verein läuft der Spielmacher für zahlreiche Topklubs der 1990er und 2000er auf:
- ZSKA Moskau 1987- 1992
- TEKA Santander 1992- 1997
- TuS Nettelstedt-Lübbecke 1997- 1998
- GWD Minden 1998- 2001
- BM Ciudad Real 2001- 2007
Bei seiner letzten Station in Ciudad Real ist Dujshebaev ab 2005 nur noch Spielertrainer. Im Anschluss fokussiert er sich vollumfänglich auf seine Aufgaben als Trainer. Bis zum Bankrott des Vereins 2013 führt er die Geschicke an der Seitenlinie. Nach einer kurzen Auszeit schließt er sich dem polnischen Serienmeister aus Kielce an. In dieser Zeit übernimmt Dujshebaev auch kurzzeitig die ungarische und im Anschluss die polnische Nationalmannschaft. Erst vor wenigen Wochen trennten sich die Wege von Dujshebaev und Kielce.
In Dujshebaevs Medaillenvitrine hängen zahlreiche Medaillen. Jeweils drei Medaillen bei Europameisterschaften und Olympischen Spielen- davon eine goldene- sowie einen Weltmeistertitel als Spieler darf er sein Eigen nennen. Hinzu kommen als Trainer acht Teilnahmen am Finale der EHF Champions League. Seine Erfolgsquote im Finale: 50 Prozent.
An die unzähligen Erfolge im Vereinshandball will Talant Dujshebaev nun mit der französischen Nationalmannschaft anknüpfen. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich bei der IHF Men’s World Championship 2027 auf deutschem Boden. Der neue Mann soll das Team in Deutschland nach dem schwachen Abschneiden bei der Europameisterschaft wieder auf das Podium einer Weltmeisterschaft führen.
Die Vitrinen des französischen Verbands sind prall gefüllt
Frankreich zählt seit geraumer Zeit zu den Top-Nationen im Welthandball. 24 Medaillen stehen für den Verband zu Buche,13 davon sind golden. Die erste Medaille eines französischen Teams ist die Bronzemedaille bei den Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Danach lässt die nächste Medaille beim größten Sportereignis der Welt bis 2008 auf sich warten. Die Fans werden bei den darauffolgenden Spielen für ihre Geduld belohnt: Gold 2008 und 2012, Silber 2016 und erneut die Goldmedaille 2020.

Ein halbes Jahr nach der ersten olympischen Medaille folgt die erste Podiumsplatzierung bei der Weltmeisterschaft 1993. Fortan ist das französische Team regelmäßig unter den ersten drei Teams dabei:
- Silbermedaille 1993
- Goldmedaille 1995
- Bronzemedaille 1997
- Goldmedaille 2001
- Bronzemedaille 2003 und 2005
- Goldmedaille 2009, 2011, 2015 und 2017
- Bronzemedaille 2019
- Silbermedaille 2023
Bronzemedaille 2025
Dass die Europameisterschaft aufgrund des Turniermodus als schwieriger als die Weltmeisterschaft gilt, müssen sich auch die Franzosen eingestehen. Erst die goldene Generation erlöst 2006 die französischen Fans bei Europameisterschaften. Sie stehen am Ende des Turniers ganz oben auf dem Treppchen. Dies gelingt den Franzosen 2010, 2014 und 2024 erneut. Zur Medaillensammlung kommen zwei Bronzemedaillen von 2008 und 2018 hinzu.
Allez, allez en direction de Cologne
Die französische Handball-Nationalmannschaft hat immer die höchsten Ansprüche an sich selbst. Diese Einstellung begründet sich allein durch die unzähligen errungenen Medaillen. Die Ansprüche dürften unter der Leitung Talant Dujshebaevs nicht kleiner werden. Das Reiseziel bei der Handball-Weltmeisterschaft 2027 kann demzufolge nur die LANXESS Arena in Köln sein. Der Weg dorthin ist allerdings länger als bei anderen Top-Nationen.
Nach dem enttäuschenden siebten Platz bei der EHF EURO 2026 muss Frankreich zunächst in die europäischen Play-offs. Nach Hin- und Rückspiel setzt sich das Team deutlich gegen Tschechien durch. Nun wartet die Delegation auf die Auslosung am 10. Juni 2026 in München. Hier entscheiden sich Vorrundengegner. Für die Vorrunde ist Frankreich bereits als Gruppenkopf der Gruppe D in Stuttgart gesetzt. Bei erfolgreicher Qualifikation für die Hauptrunde würde das Team seine restlichen Spiele in der LANXESS Arena in Köln austragen.
Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:
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Fotos: Eibner/Pillaud