Vom 13. bis zum 31. Januar 2027 steigt das größte Handball-Event der Welt: Die IHF Men’s Handball World Championship 2027 ist zu Gast in Deutschland. Es ist bereits die 30. Auflage einer Handball-Weltmeisterschaft. Zahlreiche Teams, Trainer, Spieler haben in der langjährigen WM-Geschichte beeindruckende Rekorde aufgestellt. Sie sind bis heute in den Geschichtsbüchern des Handballs verewigt. Höchste Zeit sich anlässlich der 30. Auflage einer Handball-Weltmeisterschaft ihre Leistungen einmal genauer anzusehen.
Handball-WM in Deutschland: Dem künftigen Rekordgastgeber winkt ein neuer Zuschauerrekord
Handball elektrisiert die Massen in Deutschland. Die Zahlen des Ticketvorverkaufs für die Handball-Weltmeisterschaft unterstreicht diese These. Rund neun Monate vor dem Turnierstart sind bereits über 180.000 Tickets vergriffen. Bei einem gleichbleibenden Ansturm auf die Tickets steht sogar ein neuer Zuschauerrekord bei einer Weltmeisterschaft in Aussicht. Gespielt wird 2027 in diesen sechs Spielstätten:
- SAP Garden München (10.299 Zuschauer)
- Porsche-Arena Stuttgart (6.200 Zuschauer)
- Merkur Ostseehalle Kiel (10.250 Zuschauer)
- GETEC Arena Magdeburg (6.500 Zuschauer)
- ZAG Arena Hannover (10.000 Zuschauer)
Lanxess Arena Köln (19.250 Zuschauer)
Bei einer Vollauslastung aller Spiele in den sechs Arenen würden über 1,2 Millionen Zuschauer in die Hallen strömen. Der bisherige Rekord liegt bei knapp über 900.000. Er wurde bei der Handball-Weltmeisterschaft 2019 in Deutschland und Dänemark aufgestellt.

Den Rekord für die meisten Zuschauer bei einem WM-Spiel wird der Deutsche Handballbund allerdings nicht knacken. Mehrere Spiele der WM 2017 wurden vor 28.010 Zuschauern im Stade Pierre-Mauroy in Lille ausgetragen. Die größte Spielstätte der Handball-Weltmeisterschaft 2027, die Lanxess Arena in Köln, bietet 19.250 Zuschauern Platz.
Ein weiterer beeindruckender Zuschauerrekord bei Handball-Weltmeisterschaften wurde erst im vergangenen Jahr aufgestellt. Das Viertelfinale der IHF Men’s Youth World Championship 2025 in Kairo zwischen Spanien und Gastgeber Ägypten besuchten 22.150 Handballfans. Es ist das mit Abstand am besten besuchte Spiel einer Jugend-Weltmeisterschaft.
Den Rekord für die meisten Austragungen einer Handball-Weltmeisterschaft wird der DHB dagegen egalisieren. Seit seiner Gründung im Jahr 1949 richtete der Verband bereits vier Turniere aus. Nun folgt das fünfte. Der Deutsche Handballbund zieht somit mit dem schwedischen Verband gleich. Spätestens 2029 wird der DHB alleiniger Rekordhalter sein. Das Turnier in drei Jahren richten Deutschland und Frankreich gemeinsam aus.
Die Frage nach der besten goldenen Generation
Doch nicht nur den Rekord für die meisten Austragungen, sondern auch für die meisten Teilnahmen teilen sich Schweden und Deutschland. An 27 der 29 Turniere nahmen beide Nationen teil. Die 28. Teilnahme beider Nationen wird 2027 folgen. Deutschland ist als Gastgeber qualifiziert, Schweden buchte sein Ticket durch den 6. Platz bei der EHF Euro 2026. Die Deutschen verpassten lediglich 1990 und 1997 das Turnier, die Schweden 2007 und 2013. Eine bessere Qualifikationsquote für Weltmeisterschaften kann nur die Schweiz aufweisen. Hierbei handelt es sich allerdings um die Qualifikationen für Feldhandball-Weltmeisterschaften. Die Eidgenossen nahmen an jedem der sieben Turniere teil.
Die Nation mit den meisten Teilnahmen ist allerdings nicht immer die erfolgreichste. Rekordsieger und Führender des Medaillenspiegels sind nämlich die Franzosen. Ihre beeindruckende Bilanz:
- 25 Teilnahmen
- 15 Halbfinal-Teilnahmen
- Fünf Bronzemedaillen
- Zwei Silbermedaillen
- Sechs Goldmedaillen
Sie zählen zu den besten Teams der letzten Jahre, standen bei 60 Prozent ihrer Teilnahmen im Halbfinale. Kein Team kann eine höhere Quote aufweisen. Ohnehin verpassten sie seit 2001 nur ein einziges Halbfinale einer Handball-Weltmeisterschaft.
Eine annähernd so gut Halbfinale-Quote können die Schweden aufweisen. Sie standen ebenfalls bei 15 Turnieren unter den letzten vier Teams, waren aber bei 27 Turnieren am Start. Für die Schweden stehen insgesamt zwölf Medaillen zu Buche. Jedes der drei Edelmetalle konnten sie viermal ergattern. Die Hälfte dieser Medaillen gewann die Mannschaft in den 1990er und Anfang der 2000er Jahre unter ihrem Erfolgstrainer Bengt Johansson. Seine Mannschaft dominierte den Welthandball in den 1990er Jahren.
Rund 30 Jahre weiter zurück liegt die erfolgreichste Zeit der Rumänen. 1961, 1964, 1970 und 1974 standen sie ganz oben auf dem Podest. Zu dieser beeindruckenden Sammlung an Goldmedaillen gesellen sich zwei Bronzemedaillen aus Jahren 1967 und 1990. In der gesamten WM-Historie nahmen die Rumänen jedoch nur an 14 Turnieren teil. Dieser Umstand macht die vier Goldmedaillen umso wertvoller. Die Rumänen gewannen somit 28,6 Prozent ihrer Teilnahmen. Das ist die mit weitem Abstand beste Siegesquote.
Mit Siegen kennt sich in den letzten Jahren eine weitere Nation besonders gut aus: Dänemark. Die letzten vier Ausgaben einer Handball-Weltmeisterschaft konnten sie gewinnen. Das schaffte noch keine andere Nation zuvor. Im Verlaufe der vier Turniere verloren sie kein einziges Spiel; sind seit 37 Spielen bei Weltmeisterschaften ungeschlagen. Die Medaillenvitrine der Dänen ist zusätzlich mit drei Silbermedaillen und einer Bronzemedaille geschmückt.
Darüber hinaus halten sie noch zahlreiche weitere Rekorde: Der 42:41-Sieg nach Verlängerung bei der Weltmeisterschaft 2007 gegen Island zählt die meisten Tore jemals in einem WM-Spiel. Die 330 geworfenen Tore bei der vergangenen WM sind ebenfalls Rekord. Allerdings halten die Dänen auch einen Negativ-Rekord: Die 19:35-Niederlage gegen Spanien im Finale der Weltmeisterschaft 2013 ist die höchste Final-Niederlage jemals. Den höchsten Sieg aller Zeiten konnte übrigens die deutsche Mannschaft am 27.02.1958 erzielen. Sie gewannen gegen Luxemburg 46:4. Die Tordifferenz Luxemburgs von -108 nach drei Gruppenspielen dürfte ebenfalls ein Negativ-Rekord sein.
Handball-Weltmeisterschaften: Rekordspieler - Das “Who is who” des Handballs
Wesentlicher Bestandteil der erfolgreichen dänischen Mannschaft war der dreifache Welthandballer Mikkel Hansen. Er ist mit 351 Toren sogar der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte des Turnieres. Zweimal, 2011 und 2019, konnte er die Torschützenkanone des Turniers gewinnen. Dies gelang auch dem neuen dänischen Superstar Mathias Gidsel. Seinen Titel aus 2023 konnte er 2025 erfolgreich verteidigen. Dies gelang zuletzt dem Südkoreaner Kyung-Shin Yoon. Er wurde 1993,1995 und 1997 bester Torschütze des Turniers.

Den Rekord für die meisten Tore in einem Turnier hält aber keiner der drei genannten. Kiril Lazarov erzielte 2009 92 Tore. Das entspricht einem Schnitt von 10,2 Toren pro Spiel.
Auch beim Blick auf die All-Star-Teams der Turnier-Historie taucht der Name Mikkel Hansen mehrfach auf. Seine fünf Nominierungen sind Rekord. Nur Nikola Karabatic kann damit Schritt halten. Er stand sogar bei fünf verschiedenen Turnieren im All-Star Team; Hansen wurde 2021 sowohl als bester Rückraumlinker als auch als MVP ausgezeichnet. Diese Trophäe konnte er als einziger Spieler dreimal abräumen. Stefan Lövgren, Nikola Karabatić, Jackson Richardson sowie Ivano Balić gelang dies zweimal.
Darüber hinaus erwähnenswert sind die vier aufeinanderfolgenden Nominierungen des Russen Eduard Koksharov. Er schaffte von 2001 bis 2007 immer den Sprung ins All-Star-Team.
Die Nation mit den meisten Auszeichnungen ist Frankreich. 23 Nominierungen konnte der Rekordtitelträger bisher verbuchen. Sie stellen mit Torhüter Thierry Omeyer auch den erfolgreichsten Spieler jemals. Fünfmal gewann der Torhüter die Goldmedaille, zweimal reichte es für die Bronzemedaille. Dahinter folgen mit Nikola Karabatić, Jérôme Fernandez, Daniel Narcisse, Michaël Guigou zahlreiche Spieler aus der goldenen französischen Generation.
Allerdings schickt sich ein weiterer Spieler an, all diese individuellen Rekorde zu brechen. Mathias Gidsel ist der dominante Spieler der letzten Jahre. Er ist 2025 zum dritten Mal in Folge Welthandballer geworden. Vielleicht noch beeindruckender: Gidsel ist bei der vergangenen EHF Euro, Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen sowohl Toptorschütze als auch MVP geworden. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er sämtliche individuelle Rekorde eingestellt hat.
Die Macher des Erfolges
Die erfolgreichsten Trainer der Historie sind schnell identifiziert. Ein Blick auf die dominantesten Teams der Historie genügt aus. Niculae Nedeff führte Rumänien zu vier Goldmedaillen, Nikolaj Jacobsen ist für die vier dänischen Goldmedaillen verantwortlich.
Die meisten Medaillen hat dennoch der Schwede Bengt Johansson gesammelt. Die von ihm trainierten Bengan Boys gewannen von 1990 bis 2001 jedes Edelmetall zweimal. Der Franzose Claude Onesta folgt mit fünf Medaillen auf dem zweiten Rang. Er ist der Erfolgscoach der goldenen französischen Generation, gewann mit ihr drei Gold- sowie zwei Silbermedaillen. Er war zudem der erste Trainer der alle drei wichtigen Titel - Europameister, Weltmeister und Sieger der Olympischen Spiele - gleichzeitig hielt. Dies gelang ihm 2010 und 2015. Der Däne Nikolaj Jacobsen schaffte durch den Gewinn der EHF Euro 2026 ebenfalls dieses Kunststück.
Allen vier Erfolgstrainern blieb der große Wurf als Spieler jedoch verwehrt. Nur zwei Menschen vollbrachten den Gewinn der WM-Trophäe als Spieler und Trainer: Heiner Brand und Didier Dinart. Talant Dujshebaev könnte der nächste sein, dem dieses Kunststück gelingt. 1993 wurde er mit Spanien Weltmeister, seit Kurzem trainiert er die französische Nationalmannschaft.
Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:
- Karten für die Spiele der WM 2027 gibt es im Ticketshop
- Alle Infos zu den Spielorten gibt es hier
- Wichtige Information für den Turnierverlauf: Die Gruppenköpfe stehen fest
Fotos: Lobeca/Klahn