Leo Prantner
Handball-WM 2027: Italiener wollen Euphorie nutzen

Im Januar 2027 blickt die gesamte Handballwelt gespannt auf die IHF Men’s World Championship 2027 in Deutschland. Vom 13. bis zum 31. Januar kämpfen die besten Handballnationen der Welt um den Weltmeistertitel. Doch wer sind die Favoriten? Wer sind die Stars der Teams? Und wer trainiert eigentlich die besten Nationen der Welt?  Heute im Fokus: Italien.

 

Italien setzt auf Bundesliga-Erfahrung

 

Der nächste Schritt ist gegangen: Italien qualifiziert sich erneut für eine Handball-Weltmeisterschaft. Entscheidenden Anteil daran hat Domenico Ebner: Der 32-jährige Torhüter wehrte beim 38 zu 31 Erfolg im Rückspiel gegen die Schweiz 14 Bälle ab. Der in Deutschland geborene Torwart, Sohn einer italienischen Mutter, ist eine wichtige Säule im Team. Vor allem seine langjährige Bundesliga-Erfahrung bringt Ebner gewinnbringend in die Mannschaft ein. Die zurückliegende Saison 25/26 ist bereits seine achte im deutschen Oberhaus. Seine bisherigen Bundesliga-Stationen: 
 

  • SG BBM Bietigheim (2018-2019)
  • TSV Hannover-Burgdorf (2019-2023)
  • SC DHfK Leipzig (2023-2026)

     

Im Sommer wird Ebner zum TBV Lemgo wechseln. Die Bedeutung des Torhüters für die Mannschaft hebt auch Nationaltrainer Hanning immer wieder hervor. Für ihn sei Ebner der “italienische Andreas Wolff”.

 

Große Stücke hält der Nationaltrainer auch auf Rechtsaußen Leo Prantner. Der 24-jährige spielt bei der IHF Men’s World Championship 2025 groß auf, belegt mit 37 Toren am Ende den 17. Platz in der Torschützenliste. Hanning ist zu dieser Zeit noch nicht Trainer der italienischen Mannschaft, sondern ausschließlich Geschäftsführer der Füchse Berlin. Ihm bleiben die guten Leistungen dennoch nicht verborgen, er holt Prantner nach Berlin. Keine sechs Monate später feiern sie gemeinsam den Gewinn der deutschen Meisterschaft sowie die Silbermedaille in der EHF Champions League.

Neben Prantner und Ebner haben auch die Brüder Marco und Simone Mengon einen erheblichen Anteil am Aufschwung des italienischen Handballs. Die Zwillinge agieren häufig gemeinsam auf Rückraum Links und Rückraum Mitte. Bereits in der Jugend streiften sie gemeinsam das Trikot von Montpellier HB über. Im Anschluss trennten sich die Wege. Simone wechselt 2023 nach Eisenach in die HBL. Im Sommer 2025 folgt der Wechsel zum TVB Stuttgart, wohin ihm sein Bruder Marco kurze Zeit später folgt. Wenige Wochen danach ereilt diesen allerdings die Diagnose Kreuzbandriss. Seine Erfahrung aus der Bundesliga würde dem Team sicher auch bei der Weltmeisterschaft in Deutschland helfen.

 

Ein neuer Förderer für den italienischen Handball

 

Der bekannteste Name im italienischen Team ist allerdings der des Trainers: Bob Hanning, der mit bürgerlichem Namen Hans-Robert heißt. Unzählige Vereine und Spieler hat der 58-jährige in seiner langen Karriere vorangebracht. Angefangen hat es für ihn als Trainer der U19 von TUSEM Essen. Hier nahm Hanning zwei junge Außenspieler unter seine Fittiche: Florian Kehrmann und Torsten Jansen. Beide werden 2007 Weltmeister und im Anschluss erfolgreiche Trainer in der HBL.  

Das Trio schloss sich 1995 dem Drittligisten SG Solingen an. In den folgenden Jahren gelang der Durchmarsch bis in die Bundesliga. Für Hanning folgten weitere Stationen im deutschen Handball:

 

  • Co-Trainer Deutschland
  • HC Wuppertal
  • SG Willstätt/Schutterwald
  • HSV Hamburg

     

2005 entscheidet er sich dann für den Wechsel von der Trainerbank ins Management. Hanning ist fortan Geschäftsführer der Füchse Berlin. Unter seiner Leitung entwickelte sich der Verein vom Zweitligisten bis zum deutschen Meister 2025. Das Besondere: Hanning vereint in Berlin Weltstars mit jungen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs. Unzählige Spieler schafften bereits den Sprung aus dem Nachwuchs der Füchse Berlin in die Bundesliga. Im eigenen Team sind mit Fabian Wieder, Nils Lichtlein, Matthes Langhoff, Tim Freihöfer und Lasse Ludwig aktuell fünf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs vertreten.

Nachwuchsförderung hat für Hanning höchste Priorität. Seit Jahren ist er als Trainer für die Jugendmannschaften der Füchse Berlin verantwortlich; sammelte zahlreiche Titel mit den Stars von morgen. Ihnen soll in Berlin die optimale Förderung geboten werden. Hierfür stellte sich Hanning auch an die Seitenlinie des Drittligisten 1. VfL Potsdam. Er führte das Team 2024 bis in die höchste Spielklasse. Das Team wird nun als Sprungbrett für junge Spieler in den Profihandball genutzt.

Nun möchte Hanning das nächste Projekt mitgestalten. Seit Februar 2025 ist er Trainer der italienischen Mannschaft. Sein Ziel: Italien auf der Handball-Landkarte etablieren. Der erste Schritt ist mit der Qualifikation für die IHF Men’s World Championship 2027 gegangen. Der nächste soll dann im Januar 2027 folgen.  

 

Aufbruchsstimmung in Italien

 

Die Anzahl der Teilnahmen italienischer Handball-Nationalmannschaften bei den drei großen internationalen Turnieren- Welt-, Europameisterschaft und Olympische Spiele- ist beschaulich. Für die Olympischen Spiele konnte sich der Verband sogar noch nie qualifizieren.

 

Bei Europameisterschaften waren die Italiener immerhin zweimal vertreten. 1998 war das Team als Gastgeber automatisch für die Endrunde qualifiziert. Beim Turnier durften die Italiener einen Sieg in der Vorrunde bejubeln. Dieser gelang kurioserweise gegen den späteren Europameister Schweden. Am Ende reichte es dank eines knappen Siegs im Platzierungsspiel gegen Nordmazedonien zum elften von zwölf Plätzen.  
Die erste sportlich Qualifikation gelang 2025 unter dem neuen Cheftrainer Hanning. Als einer der vier besten Gruppendritten qualifizierte sich das Team hinter Spanien und Serbien für die EHF EURO 2026. Dort gelang zwar ein 29 zu 28 Erfolg gegen Polen, am Ende mussten sich die Italiener aber mit Platz 18 begnügen. 

Den 18. Platz erreichten sie auch bei ihrer ersten Teilnahme an einer Handball-Weltmeisterschaft 1997. Unter der Leitung der kroatischen Trainerlegende Lino Červar schied das Team als Fünfter in der Vorrunde aus. 28 Jahre später war die italienische Mannschaft erstmals wieder beim größten internationalen Turnier der Welt vertreten. Als Gruppenzweiter qualifizierte sich die Mannschaft erstmals für die Hauptrunde und konnte auch dort einen Sieg gegen Tschechien einfahren. Letztendlich landete das Team auf dem vierten Platz der Hauptrunde, schloss das Turnier auf Platz 16 ab.  

Gerade aufgrund der wenigen Teilnahmen an internationalen Meisterschaften lässt sich ein Aufschwung im italienischen Handball erkennen. Die Teilnahme an der IHF Men’s World Championship 2027 wird die dritte Teilnahme in Folge an einem Großereignis sein. Die Aufbruchsstimmung soll im Januar für ein sportliches Ausrufezeichen genutzt werden.

 

Über die Schweiz bis nach Köln?


Der Weg zum Turnier nach Deutschland führte in den europäischen Play-Offs über die Schweiz. In der dritten und letzten Qualifikationsrunde setzten sich die Hanning-Schützlinge in zwei spannenden Spielen gegen die Schweiz durch. Nach Addition beider Spiele stand es 67 zu 63.  

Nun blickt die Mannschaft gespannt auf die Auslosung am 10. Juni im Hofbräuhaus in München. Fest steht bereits: Italien ist als Gruppenkopf der Gruppe B gesetzt. Sie werden ihre Spiele in der Porsche-Arena austragen. Diese dürfte die italienischen Fans freuen, die 450 Kilometer sind mit dem Auto in unter fünf Stunden zu schaffen. Bei erfolgreicher Qualifikation für die Hauptrunde ging es weiter in Köln. In der LANXESS Arena träfe das Team auf die Mannschaften der Gruppe A um Gastgeber Deutschland. Dieses Spiel dürfte für einige Spieler und vor allem für Bob Hanning besonders werden.

 

Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:

 

Fotos: Sascha Klahn