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Rückblick Qualifikation zur Handball-WM 2027 Teil 1: Überraschungen, Krimis & souveränen Favoriten

Die Auslosung der Vorrundengruppen der IHF Men’s World Championship 2027 steht kurz bevor. Am 10. Juni werden im Hofbräuhaus in München die Teams auf die acht Gruppen verteilt. Nach der dritten Runde der europäischen Qualifikation und der kontinentalen Meisterschaft in Nordamerika stehen nun 30 der 32 Teilnehmer fest. Von dominanten Leistungen über Überraschungssiege bis zu Last-Second-Entscheidungen boten die Spiele alles, was das Fan-Herz begehrt. Hier ist der erste Teil des Rückblicks:  

 

Türkei chancenlos gegen starke Norweger

 

Die Rollenverteilung vor dem Duell ist klar: Norwegen geht als klarer Favorit in beide Duelle. Die Türken kämpften sich bereits beachtlich durch die ersten beiden Runden der Qualifikation, ihnen wurden jedoch nur Außenseiten-Chancen zugesprochen.  

Bereits im ersten Duell zeigen die Norwegen den Türken die Grenzen auf. Norwegen liegt nahezu das gesamte Spiel knapp in Führung. Angeführt vom starken Rückraum-Duo Patrick Anderson und Sander Sagosen setzt sich die Mannschaft von Jonas Wille ab der 40. Minute vorentscheidend ab. Für Wille waren es die letzten Spiele an der Seitenlinie der Nationalmannschaft, sein im Sommer auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Am Ende leuchtet ein souveränes 43 zu 30 auf der Anzeigetafel in Gjovik.

 

 

Auch im Rückspiel in Ankara machen die Norweger kurzen Prozess. Nach dem Blitzstart mit 0:5 (5.) aus Sicht der Türken scheint das Spiel bereits entschieden. Die Türken kämpfen sich noch einmal auf 5:8 (15.) heran, müssen in der Folge aber abreißen lassen. Bereits beim 9:18 beträgt die Gesamtdifferenz beider Spiele 22 Tore. Norwegen verwaltet den Vorsprung in Halbzeit zwei, gewinnt schließlich 30:37. Bester Torschütze der Norweger ist August Pedersen mit 14 Toren, für die Türken traf Arda Yildiz insgesamt 18-mal.  

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Norwegen- Türkei 80:60

 

Doppelter Krimi zwischen Österreich und Polen

 

Mit Spannung wurden die Spiele zwischen Österreich und Polen erwartet. Die Österreicher hatten in den letzten Jahren mit starken Leistungen immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Polen hingegen enttäuschte zuletzt, hat mit Kamil Syprzak und Arkadiusz Moryto aber namenhafte Spieler aus der EHF Champions League im Kader.  

Bereits das erste Aufeinandertreffen in Graz sollte ein wahrer Krimi werden. Den besseren Start erwischen die Gäste. Nach zwölf Minuten setzen sie sich beim 4:8 erstmal ab. Österreich kommt, angeführt von einem starken Constantin Möstl im Tor, wieder heran. Beim 11:11 (21.) ist das Spiel wieder ausgeglichen. In der Folge sind es erneut die Polen, die ständig vorlegen. Den Vorsprung egalisiert Mykola Bilyk 50 Sekunden vor dem Ende erneut (25:25). Kreisläufer Maciej Gębala hat aber die passende Antwort zum 25:26 Endstand parat.  

Vier Tage später folgt vor 4030 Zuschauern im polnischen Olsztyn der nächste Krimi. Dieses Mal sind es die Österreicher, die permanent ein, zwei Tore vorlegen. Trainer Iker Romero setzt im Angriff auf den siebten Feldspieler. Lukas Hutecek führt dabei clever Regie, setzt seine Nebenleute immer wieder gekonnt in Szene. Zur Pause liegen die Österreicher mit 13:17 in Front. Das WM-Ticket scheint greifbar, doch beim 24:23 in der 47. Minute drehen die Polen erstmals das Spiel. Es entwickelt sich ein echter Thriller, in dem sich keines der beiden Teams entscheidend absetzen kann. Tobias Wagner wirft Österreich beim 29:30 (58.) abermals in Führung, doch Michał Daszek kontert diese fünf Sekunden vor dem Ende zum 30:30. Der Rechtsaußen sichert mit seinem Tor die Reise zur Handball-Weltmeisterschaft 2027 nach Deutschland.

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Österreich- Polen 55:56

 

Sensation in Rotterdam

 

Der Jubel kannte keine Grenzen bei den Griechen. In zwei packenden Spielen gegen die mit internationalen Stars besetzten Niederländern behalten sie die Oberhand; fahren nun zur IHF Men’s World Championship 2027 nach Deutschland. Der Erfolg der Griechen ist eine der Sensationen in der Qualifikation.

Das erste Aufeinandertreffen der Teams findet vor nur 900 Zuschauern im griechischen Chalkida statt. Die Griechen starten trotz der beschaulichen Kulisse wie angezündet in die Partie, können sich früh auf 10:5 (17.) absetzen. Der Vorsprung schrumpft, schmilzt zunächst aber nicht gänzlich dahin. Erst ein Doppelschlag des starken Robin Nagtegaal zum 17:18 und 18:18 (41.) bringt die Griechen ins Grübeln. Die Niederländer erlangen nun die Kontrolle über das Spiel, führen acht Minuten vor Ultimo mit 20:25. Doch die Griechen schlagen zurück. Ein 9:2-Lauf in den Schlussminuten besiegelt den 29:27 Endstand.  

Den Rückstand aus dem Hinspiel egalisieren die Niederländer direkt zu Beginn des Rückspiels. Beim 9:5 (11.) sind sie in der Addition erstmals mit zwei Toren in Front. Doch es folgt eine Reproduktion der Ereignisse aus dem Hinspiel: Ein 9:2-Lauf der Griechen. Bis auf 14:20 setzen sie sich zur Pause ab. Hiervon sollen sich die Niederländer nicht mehr erholen. Am Ende steht eine 33:37 Auswärtssieg und ein gültiges Ticket zur Handball-Weltmeisterschaft 2027 für Griechenland zu Buche.

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Griechenland- Niederlande 67:60

 

Italien sinnt auf Revanche

 

Das letzte Pflichtspiel der Schweiz und Italiens liegt knapp 16 Monate zurück. In der Hauptrunde der IHF Men’s World Championship 2025 sicherte sich die Schweiz durch einen 33:25 Erfolg den 3. Platz hinter Deutschland und Dänemark. In der Qualifikation für die Handball-WM 2027 wollen sich die Italiener dafür revanchieren.  

Dies gelingt zunächst auch. Nach den ersten 15 Minuten des Hinspiels führt die Mannschaft von Trainer Bob Hanning mit 5:10.  Die Schweiz berappelt sich, verkürzt bis zur Pause auf 16:17. Im Anschluss kippt das Momentum gänzlich zu Gunsten der Schweizer. Angeführt von Youngster Luca Sigrist bauen sie den Vorsprung auf 23:19 (41.) aus. Weiter lassen die Italiener sie jedoch nicht davonziehen, das Spiel endet mit 32:29 für die Schweiz. Noch sind die Revanche und somit das WM-Ticket für die Italiener greifbar.

 

 

Die ersten 15 Minuten des Rückspiels verlaufen zunächst ausgeglichen. Noam Leopold markierte das 9:8 (15.). Nun schalten die Italiener einen Gang höher. Getragen von 4000 frenetischen Fans in Faenza setzen sie sich zur Pause auf 20:12 ab. In der zweiten Hälfte schrumpft der Vorsprung nie unter sechs Tore. Spätestens beim 37:29 (57.) durch Topscorer Gianluca Dapiran beginnt die Party in grün, weiß und rot. Italien gelingt tatsächlich die Revanche, die Mannschaft von Bob Hanning ist zum zweiten Mal in Folge bei einer Handball-Weltmeisterschaft dabei.  

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Schweiz- Italien 63:67

 

Dujshebaevs erster Auftritt an der Seitenlinie Frankreichs

 

Gespannt schauten viele Handball-Fans auf das Duell der Tschechen gegen die Franzosen. Nicht weil die Spiele im Vorfeld besonders viel Spannung versprachen, sondern weil Talant Dujshebaev sein Debüt auf der Trainerbank der Franzosen geben würde. Kann der Startrainer sein Starensemble managen?

Die Antwort liefert bereits das Hinspiel in Tschechien: Ja, er kann. Bereits zu Beginn setzt sich seine Mannschaft auf 5:10 (11.) ab. Die Franzosen bauen den Vorsprung kontinuierlich aus (13:19, 25’, 17:26, 38’). Beim 20:32 durch Dylan Nahi in der 50. Minuten ist die Messe endgültig gelesen. Am Ende siegen die Franzosen mit 26:37 in Tschechien. Der Rekordweltmeister steht nach dem Hinspiel bereits mit einem Bein im Flieger nach Deutschland.

Der Start ins Rückspiel im französischen Orleans verläuft zunächst recht ausgeglichen, Tschechien bleibt bis zum 8:7 (10.) in Schlagdistanz. Anschließend schalten die Franzosen einen Gang höher. Zur Pause leuchtet ein 21:13 auf der Anzeigetafel. Es droht die nächste Klatsche für die Tschechen. Doch die Mannen von Trainer Daniel Kubeš geben sich nicht auf, betreiben in der zweiten Hälfte Schadensbegrenzung. Am Ende sichern sich die Franzosen mit dem 36:31 Sieg ganz souverän das WM-Ticket. Das Debüt von Talant Dujshebaev ist geglückt.

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Tschechien- Frankreich 57:73

 

Handball-Thriller auf dem Balkan

 

Handballspiele auf dem Balkan versprechen einiges: Leidenschaft, Emotionen und vor allem Spannung. Die Qualifikationsspiele für die IHF Men’s World Championship 2027 zwischen Montenegro und Slowenien sollten dies bestätigen.

Im Hinspiel in Podgorica sind zunächst die Gäste aus Slowenien tonangebend. Über die Stationen 4:6 (10.) und 7:10 (17.) setzen sie sich zur Pause bis auf 12:16 ab. Doch Montenegro kommt wie ausgewechselt aus der Kabine. Hinten stabilisiert sich die Defensive, vorne drehen Ćorsović & Co auf. Beim 20:19 durch Stefan Čavor in der 40 Minute steht die Halle Kopf. Doch die abgezockten Slowenen bewahren einen kühlen Kopf, erobern in der Folge die Führung zurück. Am Ende reicht es zu einem hauchzarten 28:29 Auswärtssieg.  

Im Rückspiel zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Vor 3090 Zuschauern in Koper bestimmen erneut die Slowenen das Spiel. Beim 15:9 (24.) durch Aleks Vlah beträgt der Vorsprung in der Addition erstmals sieben Tore. Doch Montenegro kommt, wie schon im Hinspiel, wieder ran. Branko Vujović verkürzt in der 40. Minute auf 21:20. Der zweite Teil des Thrillers hat spätestens jetzt begonnen. Keines der Teams kann sich in der Folge absetzen. Es ist erneut Čavor, der zweieinhalb Minuten vor dem Ende auf einen Treffer verkürzen kann. Slowenien kann sich nun auf einen Mann verlassen: Aleks Vlah. Der Superstar erzielt 30 Sekunden vor dem Abpfiff das 31:29 und sichert seinen Farben das Ticket zur Handball-Weltmeisterschaft 2027. Er ist mit insgesamt 15 Toren auch bester Torschütze im Balkan-Krimi.

 

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Montenegro- Slowenien 57:60

 

Im zweiten Teil der Rückschau stehen die vier weiteren Spiele der europäischen Qualifikation sowie die nordamerikanischen Kontinentalmeisterschaft im Fokus. Dort findet sich abschließend auch eine Übersicht über alle bisher qualifizierten Teams.  

 

Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:

 

 

Fotos: Sascha Klahn/Newspix/Xinhua