Handball
Rückblick Qualifikation zur Handball-WM 2027 Teil 2: Drama am Plattensee & Historie im Nordatlantik

Die Auslosung der Vorrundengruppen der IHF Men’s World Championship 2027 steht kurz bevor. Am 10. Juni werden im Hofbräuhaus in München die Teams auf die acht Gruppen verteilt. Nach der dritten Runde der europäischen Qualifikation und der kontinentalen Meisterschaft in Nordamerika stehen nun 30 der 32 Teilnehmer fest. Von ungewöhnlichen Austragungsorten über historische Qualifikationen bis zu Last-Second-Entscheidungen boten die Spiele alles, was das Fan-Herz begehrt. Hier ist der zweite Teil des Rückblicks:  

 

Handball-Krimi am Balaton

 

Serbien gegen Ungarn: Das steht für Leidenschaft und Wille pur- auf und neben dem Feld. Es steht aber auch für Weltklasse-Kreisläufer auf beiden Seiten- Bánhidi und Rosta für Ungarn, Pechmalbec und Marsenić für Serbien. Es steht ebenso für das Duell zweier talentierter Spielmacher- Dodić  gegen Fazekas. Die Fans konnten sich also auf hochklassigen Handball und viele Emotionen freuen.

Und genau das bekamen die 5200 Zuschauer im serbischen Nis geboten. Bis zum 10:9 (16.) durch Dragan Pechmalbec verläuft die Partie ausgeglichen. Im Anschluss setzt sich Serbien bis zur Pause auf 18:12 ab. Die Ungarn berappeln sich, markieren mit dem 22:20 (40.) den Anschluss. Doch die vom Publikum beflügelten Serben lassen sich nicht beeindrucken, schalten ihrerseits einen Gang höher. Erst ein starker Schlussspurt sichert den Ungarn eine bessere Ausgangslage für das Rückspiel. Am Ende feiern die Serben einen 31 zu 29 Erfolg.  

Nun mussten die Serben aber noch im Hexenkessel der One Veszprém Arena bestehen. Der Start in die Partie verläuft, wie im Hinspiel, ausgeglichen. Dieses Mal sind es die Ungarn, die sich ein wenig absetzen können. Der Vorsprung übersteigt zwar nie die Drei-Tore-Marke, würde aber zur Qualifikation reichen. In den Schlussminuten können die Serben aber erneut verkürzen, Kreisläufer Marsenić erzielt das 31:30 (57.). Nach zwei missglückten Aktionen auf beiden Seiten haben die Ungarn 30 Sekunden vor Ultimo die Chance auf die Verlängerung. Fazekas sucht Bánhidi am Kreis, hat die Rechnung aber ohne Pechmalbec gemacht. Der überragende Akteur in beiden Spielen- 15 Tore bei 15 Versuchen- fängt den Pass ab und sichert seinem Land das Ticket zur Handball-Weltmeisterschaft 2027. Das Kuriose: Matchwinner Pechmalbec steht in Ungarn bei One Veszprém unter Vertrag.

 

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Serbien- Ungarn 61:60

 

Hier geht es nochmal zurück zum ersten Teil des Rückblicks.

 

Kuzmanovski wirft Nordmazedonien zur Weltmeisterschaft

 

Erst zweimal konnte sich die Slowakei für eine Handball-Weltmeisterschaft qualifizieren: 2009 und 2011. Nach dem knappen Weiterkommen in der zweiten Qualifikationsrunde gegen die Ukraine sollte nun die Sensation gegen Nordmazedonien gelingen.  

Im Hinspiel sollte zunächst der Grundstein für eine erfolgreiche Qualifikation gelegt werden. In der ausgeglichenen Anfangsphase kann sich vorerst keine Mannschaft entscheidend absetzen. Nach dem 10:11 (21.) sind es die Nordmazedonier, die sich einen 13:18 Vorsprung zur Pause erspielen. Diese Führung geben die Mannen von Kiril Lazarov im zweiten Durchgang nicht mehr her. Der zehnte Treffer von Filip Kuzmanovski besiegelt letztlich den 24:31 Auswärtssieg. Das WM-Ticket für die Slowaken ist nach dem Hinspiel in weite Ferne gerückt.

Jegliche Hoffnung ist nach den ersten 15 Minuten des Rückspiels endgültig verflogen. 10:4 führen die von 6000 Zuschauern unterstützen Gastgeber da bereits.  Spätestens beim 18:11 zur Pause ist jedem Beteiligten klar: Nordmazedonien wird erneut zur Handball-Weltmeisterschaft fahren. In der zweiten Hälfte machen die Nordmazedonier mit dem Toreschießen munter weiter, schrauben das Ergebnis am Ende bis auf 38:23 hoch. Der erneut starkaufspielende Filip Kuzmanovski trifft in einer einseitigen Partie elfmal und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zum höchsten Sieg in der dritten Qualifikationsrunde. Für sein Heimatland ist es die zehnte Teilnahme am größten internationalen Turnier.

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Slowakei- Nordmazedonien 47:69

 

Wer schreibt Geschichte? Bosnien & Herzegowina oder die Färöer?

 

Bereits vor dem Anpfiff des Duells Bosnien & Herzegowina gegen die Färöer stand fest, der Sieger würde Historisches erreichen. Die Bosnier qualifizierten sich bisher nur für die IHF Men’s World Championship 2015, die Färinger waren noch nie bei einer Endrunde vertreten.  

Den etwas besseren Start in das in Tuzla (BIH) ausgetragene Hinspiel erwischen die Gäste aus dem hohen Norden. In einer sehr ausgeglichen ersten Halbzeit legen sie meist ein, zwei Tore vor, führen zur Pause 10:12. In der zweiten Hälfte wendet sich das Blatt. Nun sind es die Bosnier, die immer wieder in Führung gehen können. Beim 20:20 durch den in Hannover spielenden Vilhelm Poulsen (52.) deutet alles auf ein Unentschieden hin. In einer hektischen Schlussphase haben schließlich doch die Färinger das bessere Ende auf ihrer Seite; sie gewinnen auswärts 22:24. Entscheidender Faktor: Torhüter Pauli Jacobsen mit 17 Paraden (44% Fangquote).

 

 

Nun folgt der entscheidende Showdown vor 3000 Zuschauern in Tórshavn. Der erste Durchgang ist ein Spiegelbild der ersten Hälfte des Hinspiels: die Gäste legen immer ein bis zwei Tore vor. Zur Halbzeit steht es 15:17 für Bosnien & Herzegowina. Nach 90 von 120 Minuten sind die Zuschauer so schlau wie davor; in der Addition steht es wieder Unentschieden. Die letzten 30 Minuten werden nun über die Qualifikation zur Handball-Weltmeisterschaft 2027 entscheiden. Angetrieben von den eigenen Fans mobilisieren die Färinger alle Kräfte. Sie drehen die Partie, gewinnen schlussendlich 33:28 und sichern sich erstmals das Ticket zu einer Handball-Weltmeisterschaft. Aus einer starken Teamleistung ragt Hákun West av Teigum heraus. Der Rechtsaußen erzielt über beide Spiele hinweg 22 Tore, ist bester Torschütze der Qualifikationsrunde.  

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Bosnien & Herzegowina- Färöer 50:57

 

Tickets und alle Informationen zum Turnier sind über die offizielle Turnierwebsite handball2027.com abrufbar. Karten sind zudem ab jetzt auch über Eventim.de und alle offiziellen Vorverkaufsstellen erhältlich.

 

Europäische Qualifikation in Argentinien

 

Der ein oder andere Handball-Interessierte dürfte sich beim Blick auf die Spielstätte des Duells Israel gegen Spanien verwundert die Augen gerieben haben. Die “La Casa del Handball” befindet sich nicht in Spanien, sondern in Buenos Aires. Die Erklärung: Beide Verbände einigten sich aufgrund der Lage im Nahen Osten auf die Austragung an einem neutralen Ort.  

Zu Beginn des Hinspiels sind es die Israelis, die bis zum 7:8 (14.) führen. Im Anschluss wachen die Spanier auf, schalten einen Gang höher und erobern die Führung zurück. Über 14:10 (23.) bauen sie die Führung bis auf 18:12 (30.) aus. Im zweiten Durchgang schaltet die Mannschaft von Jordi Ribera in den Verwaltungsmodus. Am Ende reicht es für einen nie gefährdeten 32:27 Sieg.  

Im Rückspiel legt der Favorit von Beginn an vor. Über die Zwischenstationen 5:7 (13.) und 8:12 (23.) erarbeiten sich die Spanier eine 13:16 Halbzeitführung. Im zweiten Durchgang baut der Weltmeister von 2013 seine Führung kontinuierlich aus, siegt am Ende souverän mit 29:36. Die lange Reise hat sich für den Favoriten gelohnt, nun geht sie im Januar 2027 weiter zur 30. IHF Men’s World Championship in Deutschland.

 

Ergebnis nach Addition beider Spiele: Israel- Spanien 56:68

 

Nordamerikanische Titelkämpfe: Vier Teams- ein Ticket nach Deutschland

 

Basketball, Eishockey oder auch Fußball sind die populärsten Sportarten auf dem nordamerikanischen Kontinent. Der Handball spielt eine untergeordnete Rolle. Aber auch dort gibt es eine Kontinentalmeisterschaft: die North American and Caribbean Men's Handball Championship (NACHC). Sie ist das Pendant zur EHF EURO. Die Größenordnung ist jedoch eine ganz andere. Lediglich vier Nationen- Grönland, Kanada, Mexiko und die USA- nehmen an dem Turnier teil. Dennoch ist das Turnier von großer Bedeutung; der Sieger erhält ein Ticket zur Handball-Weltmeisterschaft.

Gespielt wird zunächst im Modus Jeder-gegen-Jeden. Nach Abschluss der drei Vorrundenspiele wird eine Tabelle gebildet. Diese führt die USA nach einem 32:27 gegen Mexiko, 34:24 gegen Grönland und einem 34:17 Erfolg gegen Kanada an. Auf Platz zwei folgt Grönland. Der Inselstaat kann seine Spiele gegen Kanada (40:20) und Mexiko (35:25) ebenfalls klar gewinnen. Den dritten Platz der Vorrundengruppe sichern sich die Kanadier durch einen knappen 23:19 Erfolg gegen Mexiko.  

Nach Abschluss der Vorrunde treffen die beiden Letztplatzierten erneut im Spiel um Platz 3 aufeinander. Hier kann sich Mexiko mit 23:17 für die Niederlage in der Gruppenphase revanchieren. Das WM-Ticket wird anschließend im Finale zwischen Grönland und den USA ausgespielt. Angeführt von Kapitän und Topscorer Ian Hüter (6 Tore) setzen sich die Amerikaner ungefährdet mit 32:18 durch. Für den Gastgeber der Olympischen Spiele 2028 wird es die dritte Teilnahme in Folge an einer Handball-Weltmeisterschaft sein. Für Kapitän Hüter könnte es dabei zu einem Heimspiel kommen. Er kommt gebürtig aus Neuss, wuchs in unmittelbarer Nähe zu Köln auf.

 

Handball-Weltmeisterschaft 2027: Zwei Wildcard noch offen

 

Die nächsten elf Tickets für die IHF Men’s World Championship sind nun vergeben. 30 der 32 Teilnehmer stehen fest. In Kürze wird die IHF zwei Wildcards vergeben, die ebenfalls zur Teilnahme berechtigen. Nachfolgend sind alle bisher qualifizierten Teams aufgelistet:

Europa

 

Asien

 

  • Bahrain
  • Katar
  • Kuwait
  • Japan

     

Afrika

 

  • Ägypten
  • Tunesien
  • Kap Verde
  • Algerien
  • Angola

     

Süd-, Zentral- & Nordamerika

 

  • Brasilien
  • Argentinien
  • Chile
  • Uruguay
  • USA

     

Mehr Infos zur Weltmeisterschaft 2027 in Deutschland:

  • Karten für die Spiele der WM 2027 gibt es im Ticketshop
  • Alle Infos zu den Spielorten gibt es hier
  • Hier geht es zum Spielplan der WM 2027

 

Fotos: Aleksandar Djorovic/ NTB