Die EHF EURO 2026 wird vielen deutschen Handball-Fans in bester Erinnerung bleiben. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason kämpft sich durch das Turnier, schlägt Top-Nationen wie Frankreich oder Spanien. Am Ende scheitert das Team im Finale an den Dänen, gewinnt dennoch die Silbermedaille. Es ist die zweite Medaille für das DHB-Team innerhalb kürzester Zeit: 2024 gelang bei den Olympischen Spielen in Paris beinahe der ganz große Coup. Erst im Finale konnte die Mannschaft gestoppt werden - abermals von den Dänen. Nun soll der große Wurf bei der IHF Men’s World Championship 2027 im eigenen Land gelingen. Doch bereits in der Vorrundengruppe A warten unangenehme Gegner:
Zwei gute Bekannte und zwei hoffnungsvolle Außenseiter
Die Favoritenrolle in der Gruppe A ist klar verteilt. Die deutsche Mannschaft ist auf allen Positionen sehr gut, teilweise sogar mit Weltklasse-Spielern besetzt. Offensiv wird das Team von Spielmacher Juri Knorr angeführt. Er ist der Lenker und Denker im Team, selbst torgefährlich, weiß aber auch seine Nebenleute in Szene zu setzen. Von Knorrs Spiel profitieren vor allem Renārs Uščins im rechten Rückraum und Kreisläufer Johannes Golla. Der Musterathlet der MT Melsungen ist vorne kaum zu halten, hinten ordnet er gemeinsam mit Abwehrchef Tom Kiesler die deutsche Deckung. Dahinter steht die womöglich wichtigste Personalie im deutschen Team: Andreas Wolff. Der Schlussmann des THW Kiel besticht seit Jahren mit herausragenden Leistungen im DHB-Trikot. Bei der EHF EURO 2024 und 2026 sowie der Weltmeisterschaft 2023 wurde er sogar als bester Torwart des Turniers ausgezeichnet. Wolff, Knorr und Golla gehören zweifelsfrei in die Kategorie “Weltklasse”, Uscins und Kiesler befinden sich auf einem guten Weg dorthin.
Auf dem Weg dorthin kommt es zu einem Wiedersehen mit Serbien. Bereits 2023 trafen die Teams bei der Handball-Weltmeisterschaft in der Vorrunde aufeinander. Die deutsche Mannschaft setzte sich in einem Krimi mit 34 zu 33 durch. 2026 standen sich die Teams erneut in der Vorrunde einer internationalen Meisterschaft gegenüber. Am zweiten Spieltag der EHF EURO 2026 revanchierten sich die Serben, gewannen 30 zu 27. Am Ende schieden sie dennoch in der Vorrunde aus.
Beide Teams kennen sich aber nicht nur aus vergangenen Duellen. Viele serbische Spieler spielten bereits in der Bundesliga. Hierzu gehören Mijajlo Marsenić und Dejan Milosavljev. Bis zum Sommer 2026 liefen sie gemeinsam für die Füchse Berlin auf, seit 2026 spielt Milosavljev in Kielce. In sieben gemeinsamen Jahren gewannen sie jeweils einmal die deutsche Meisterschaft und den DHB-Pokal, standen 2025 und 2026 zudem im Finale der EHF Champions League. Mit ihrer Klasse sind sie auch in der Nationalmannschaft zu unverzichtbaren Säulen geworden. Nun wollen sie ihre Erfahrung aus der Bundesliga nutzen, um der deutschen Mannschaft in der Vorrunde erneut gefährlich zu werden.
Dabei sollten die Serben die anderen beiden Kontrahenten in der Gruppe A der Weltmeisterschaft nicht aus den Augen verlieren. Sie könnten zum Stolperstein für die Serben werden. Insbesondere die tunesische Mannschaft dürfte mit viel Rückenwind nach München reisen. Bei der jüngsten Afrikameisterschaft gewann das von Trainer Thierry Anti die Silbermedaille. Insgesamt konnte Tunesien diesen Wettbewerb schon zehnmal gewinnen. Der letzte Erfolg liegt allerdings schon über acht Jahre zurück.
Damals noch nicht mit im Team: Mohamed Darmoul. Der Spielmacher vom TVB Stuttgart ist der Kopf der Mannschaft. Er dirigiert das Offensivspiel, setzt seine Nebenleute gekonnt in Szene und brilliert mit einem dynamischen Eins-gegen-Eins. Genau darauf baut sein Team im kommenden Januar beim Kampf um ein Ticket für die Hauptrunde in Köln.
Das Erreichen der Hauptrunde wäre für den zweiten Außenseiter der Gruppe A bereits ein riesiger Erfolg. Die Handball-Nationalmannschaft Uruguays konnte sich erst zum dritten Mal nach 2021 und 2023 für eine Handball-Weltmeisterschaft qualifizieren. Bei der ersten Teilnahme führte der Weg sogar in die Hauptrunde. Allerdings wurde das Spiel gegen Kap Verde mit 10 zu 0 für Uruguay gewertet. Der Grund: Die Spieler Kap Verdes wurden positiv auf das Coronavirus getestet und traten nicht mehr zu dem Spiel an. Die zweite Teilnahme war weniger erfolgreich. Ohne Siege beendete das Team das Turnier auf dem letzten Platz. Nun sind die Südamerikaner wieder bei der Handball-Weltmeisterschaft dabei und hoffen auf den ersten sportlichen Sieg.
Der Blick auf den 17. Januar
Die erste Chance bietet sich der uruguayischen Nationalmannschaft am 13. Januar um 17:30 Uhr gegen Serbien. Es wird das erste Spiel des Turniers sein. Im Anschluss messen sich um 20:30 Uhr Deutschland und Tunesien. Die Tunesier werden als klarer Außenseiter in das Spiel gegen die deutsche Mannschaft gehen, hoffen dennoch auf eine Überraschung.
Zwei Tage später bietet sich die nächste Gelegenheit für einen Überraschungssieg. Die Tunesier eröffnen um 18 Uhr den zweiten Spieltag gegen Serbien. Im Anschluss trifft der Gastgeber auf Uruguay. Das Gruppenfinale steigt am 17. Januar. Um 18 Uhr treffen zunächst Tunesien und Uruguay aufeinander. Dies könnte ein direktes Duell um den Einzug in die Hauptrunde werden.
Serbien und Deutschland beschließen die Vorrunde um 20:30 Uhr. Ein Vorrundenspiel am 17. Januar gegen Serbien - das dürfte bei einigen deutschen Spielern und Fans einen Schauer auslösen. Das Duell bei der vergangenen EHF EURO fand ebenfalls am 17. Januar um 20:30 Uhr statt. Die deutsche Mannschaft stand nach der überraschenden Niederlage unter Druck, eine Niederlage gegen Spanien zwei Tage später hätte das Vorrundenaus bedeutet. Doch das Team berappelte sich und kämpfte sich bekanntermaßen bis ins Endspiel. Dieses Mal soll es ohne Stolperer bis ins Finale gehen.
Einen Überblick über alle weiteren Spiele gibt es hier.
SAP Garden - Heimat des Sports
Unterstützt wird die deutsche Mannschaft bei diesem Vorhaben von mehr als 10.000 Handballfans im SAP Garden in München. Die hochmoderne Arena wurde 2024 feierlich eröffnet und hat sich bereits in kurzer Zeit als hervorragender Standort für Sportveranstaltungen einen Ruf gemacht. Der Eishockeyclub EHC Red Bull München und das Basketballteam des FC Bayern München tragen ihre Heimspiele in der Halle aus.
Handball wurde in der Arena ebenfalls schon gespielt. Der Supercup, das Duell zwischen Meister und Pokalsieger der Männer und Frauen wird hier seit 2025 ausgetragen. Im November 2025 fand im SAP Garden das erste Handball-Länderspiel statt. Die deutsche Mannschaft verlor mit 29 zu 31 gegen Island. Im Januar soll es dann mit dem ersten Sieg im SAP Garden klappen. Wenn es nach dem Geschmack der deutschen Fans geht, dürfen noch zwei weitere folgen.