Die IHF Men’s World Championship ist das größte Ereignis im internationalen Handball. Die besten Nationen kämpfen um den Weltmeistertitel, doch seit Jahren wird das Turnier von einem Land dominiert: Dänemark. Die letzten vier Austragungen konnten sie gewinnen. Die jüngsten Handball-Fans kennen womöglich nur die Dänen als Weltmeister. Die älteren Fans können sie jedoch noch gut an die Zeit davor mit hochspannenden Titelkämpfen erinnern, mit dem sich unterschiedliche Nationen am Ende krönten. Dazu zählten unter anderem Kroatien und Spanien.
Die Kroaten gewannen 2003 den Titel, Spanien stand sogar zweimal auf dem Podium ganz oben - 2005 und 2013. In weniger als einem halben Jahr werden beide Teams bei der 3WM in der Vorrunde aufeinandertreffen. Beide Teams wollen 2027 zurück nach ganz oben aufs Podest. Höchste Zeit, einen genaueren Blick auf die aktuellen Teams der ehemaligen Weltmeister und ihre Kontrahenten in der Gruppe C zu werfen:
Kroatische Mentalität trifft auf spanischen Handball-Flair
Top-Favorit auf den Gruppensieg dürften aktuell die Kroaten sein. Nach den vergangenen Erfolgen bei der Weltmeisterschaft 2025 (2. Platz) und der EHF EURO 2026 (3.Platz) werden sie mit breiter Brust nach Deutschland reisen. Die Erfolge des Teams sind eng mit einem Namen verknüpft: Dagur Sigurðsson. 2024 übernahm er das Traineramt der kroatischen Nationalmannschaft. Nach erfolglosen Jahren sorgte Sigurdsson für einen echten Aufschwung, führte Kroatien zurück in die Weltspitze. Die Fans träumen wieder vom Titel. Den gab es zuletzt 2003.
Damals führten Legenden wie Ivano Balić und Igor Vori das Team zum Titel. Nun stehen nicht mehr “Balić” oder “Vori” auf dem Trikot, sondern “Martinović” und “Kuzmanović”. Der Rückraumrechte von One Veszprém und der Torhüter des SC Magdeburg sind die Anführer einer neuen, hungrigen Generation. Auch wenn sich die Namen der Spieler geändert haben, die Tugenden sind dieselben geblieben: Kampf, Emotionen und Leidenschaft. Genau damit will auch die neue Generation von Trainer Sigurðsson den Titel gewinnen.
Von diesem Titel werden die Spanier sicherlich auch träumen. Nach den letzten beiden Turnieren bedarf es zunächst jedoch einem ähnlichen Aufschwung, wie es die Kroaten unter Sigurdsson erlebt haben. Auf den 18. Platz bei der Handball-Weltmeisterschaft 2025 – das schlechteste Ergebnis jemals - folgte ein enttäuschendes Ausscheiden in der Hauptrunde der EHF EURO 2026. Die ruhmreichen Zeiten mit Spielern wie Joan Cañellas, Víctor Tomás und Raúl Entrerríos scheint vorbei zu sein. Nun muss eine neue Generation behutsam aufgebaut werden. Verantwortlich dafür ist Trainer Jordi Ribera, der Spanien bereits einige Male aufs Podium führte:
- Europameister 2018 und 2020
- Vize-Europameister 2022
- Dritter bei den Olympischen Spielen 2021 und 2024
- Dritter bei der Weltmeisterschaft 2021 und 2023
Ribera muss im kommenden Winter eine Einheit aus erfahrenen Weltstars wie Aleix Gómez und Sergey Hernández vom FC Barcelona und jungen Talenten wie Ian Barrufet, Marcos Fis und Jan Gurri formen. Stimmt die Chemie im Team, sind die Spanier ein heißer Kandidat für das Final-Wochenende vom 29. bis 31. Januar in Köln.
Auf dem Weg dorthin warten allerdings zwei Teams mit spanischem Handball-Flair. Sowohl die Türkei als auch Chile werden von Spaniern trainiert. Bei den Chilenen steht mit Aitor Etxaburu ein ehemaliger Weltklasse-Kreisläufer an der Seitenlinie. 87 Länderspiele bestritt er für sein Heimatland, bevor er auf die Trainerbank wechselte. Seit 2022 trainiert er die chilenische Nationalmannschaft. Hier trifft Etxaburu auf einen ehemaligen Bekannten: Spieler Rodrigo Salinas Muñoz. Beide kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei Bidasoa Irun.
Neben Salinas Muñoz zählen Erwin und Emil Feuchtmann Pérez zu den entscheidenden Akteuren im Team. Emil ist Rekordspieler des Landes, Bruder Erwin sogar Rekordtorschütze. Wie der Name Feuchtmann vermuten lässt, besitzen sie deutsche Vorfahren. Die Vorfreude auf das Turnier ist dementsprechend groß. Gemeinsam mit ihrem Trainer wollen sie dessen Heimatland ärgern und in die Hauptrunde einziehen.
Dieses Ziel wird sich die türkische Nationalmannschaft ebenfalls gesteckt haben. Auch sie wird von einem Spanier trainiert. Oliver Roy Camino leitet seit rund einem Jahr die Geschicke an der Seitenlinie. Zuvor agierte er für viele Jahre als Assistenztrainer beim FC Barcelona und als Cheftrainer bei Zamalek SC in Ägypten, bevor er von 2023 bis 2026 den türkischen Verein Besiktas Istanbul trainierte. Für genau dieses Team spielt auch ein Großteil der Nationalspieler, sie kennen ihren Trainer und seine Spielidee daher bestens.
Völlig neu ist für die Spieler hingegen die Bühne einer Handball-Weltmeisterschaft. Noch nie nahm die Türkei an einer Handball-WM teil. Für das Turnier in Deutschland erhielt der Verband eine Wildcard der IHF. Bei der ersten Teilnahme soll direkt der erste Sieg gelingen. Dann wäre das Ziel Hauptrunde in greifbarer Nähe.
Topspiel als Finale um den Gruppensieg?
Dass dies insbesondere an den ersten beiden Spieltagen kein einfaches Unterfangen wird, dürfte dem Team von Camino bewusst sein. Zum Auftakt geht es am 14. Januar um 18 Uhr gegen Spanien. Im Anschluss an diese Partie werden sich um 20:30 Uhr Kroatien und Chile gegenüberstehen.
Am zweiten Spieltag wird die Aufgabe für die Türken nicht einfacher: Am 16. Januar um 20:30 Uhr warten die Kroaten im SAP Garden in München. Im ersten Spiel des Abends um 18 Uhr stehen sich Spanien und Chile gegenüber.
Zwei Tage später wartet am 18. Januar zum Abschluss Chile auf die Türkei. In diesem direkten Duell könnte es um den Einzug in die Hauptrunde gehen. Um 20:30 Uhr treffen im großen Gruppenfinale die beiden ehemaligen Weltmeister Spanien und Kroatien aufeinander. Aller Voraussicht nach geht es in diesem Duell um den Gruppensieg.
Moderne trifft auf Historie
Austragungsort der sechs Partien wird der SAP Garden in München sein. Die Arena wurde 2024 fertiggestellt und zählt zu den modernsten in ganz Europa. Gelegen ist die Arena auf sporthistorischem Terrain: dem Olympiapark in München. 1972 wurden die Olympischen Sommerspiele in München ausgetragen. Das Areal war damals das Herzstück des Events. Anlagen wie das Olympiastadion oder die Olympiahalle sind immer noch gut erhalten und von einer riesigen Grünanlage umgeben.
In jener Olympiahalle wurde 1972 das Olympische Handballturnier ausgetragen. Bei diesem Turnier waren auch die Spanier und Kroaten dabei. Die Spanier schieden in der Vorrunde aus. Die Kroaten, damals noch als Teil Jugoslawiens, sicherten sich vor 11.000 Zuschauern die Goldmedaille. Ein gutes Omen für kommenden Januar.