Für die traditionsreiche Handballnation Spanien lief es in den vergangenen Jahren nicht ganz so gut, wie man es erwarten würde. Bei der EM in diesem Jahr musste sich das Team bereits als Letzter seiner Hauptrundengruppe aus dem Turnier verabschieden. Das hing durchaus mit der anspruchsvollen Gruppenkonstellation zusammen: Spanien traf auf Dänemark, Deutschland, Norwegen, Frankreich und Portugal. Dennoch gelang der Mannschaft in der Hauptrunde ein Sieg gegen die stets starken Franzosen. Schon bei der WM 2025 war für Spanien nach der Hauptrunde Schluss. Einen großen Erfolg feierte das Team bei den Olympischen Spielen 2024, als es sich im Spiel um Platz drei gegen Slowenien die Bronzemedaille sicherte.
Spaniens Vorrundengruppe bietet alles: vom vermeintlich leichten Einstieg bis zum Topspiel. Mit den zugelosten Gegnern sollte der Einzug in die Hauptrunde für das Team von Jordi Ribera kein Problem sein.
Das Auftaktspiel der Rot-Gelben findet am 14. Januar statt. Wie die deutsche Nationalmannschaft spielen sie im SAP Garden in München gegen die Wildcard-Gewinner Türkei. Für die Türken ist es die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft, da ihnen die Qualifikation bislang nicht gelungen war. Das Turnier bietet ihnen eine gute Gelegenheit, sich auf internationaler Bühne zu beweisen. Auch wenn ein Großteil der Spieler beim European-League-Teilnehmer Beşiktaş Istanbul spielt, stehen die Chancen eher auf der Seite der erfahrenen Spanier.
Schon am 16. Januar folgt das nächste Spiel gegen Chile. Bei der vergangenen WM erreichte das südamerikanische Team Platz 24 unter 32 Teilnehmern. Bereits damals trafen die beiden Mannschaften aufeinander. Spanien ging mit einem deutlichen 31:22-Sieg aus der Partie hervor. Bei den alle zwei Jahre ausgetragenen Süd- und Zentralamerikanischen Meisterschaften reichte es für die Chilenen bei den vergangenen drei Teilnahmen jeweils nur zum dritten Platz hinter Brasilien und Argentinien.
Die Vorrunde endet für Spanien mit einem Topspiel gegen Kroatien. Nach Jahren im Mittelfeld hat sich die kroatische Nationalmannschaft wieder an die Spitze zurückgekämpft. Sie überzeugt vor allem durch ihre körperliche und emotionale Spielweise. Bei der vergangenen WM 2023, die zum Teil in Kroatien ausgetragen wurde, sicherte sie sich den Titel des Vizeweltmeisters. Auch in diesem Jahr waren die Kroaten wieder in der Weltspitze dabei und belohnten sich am Ende des Turniers mit der Bronzemedaille. Mit mehreren Topspielern, von denen einige auch in der Handball-Bundesliga unter Vertrag stehen, verspricht dieses Aufeinandertreffen Spannung. Voraussichtlich entscheidet die Partie darüber, wer als Gruppensieger in die Hauptrunde einzieht und wichtige Punkte mitnimmt.
Spaniens Kader: Spieler aus europäischen Topklubs
Wer sich Spaniens Aufgebot anschaut, bemerkt schnell, dass der Kader mit Spielern aus Champions-League-Teams gespickt ist. Ob FC Barcelona, HBC Nantes oder SC Magdeburg: Große Namen sind in diesem Team vertreten.
Besonders im Fokus stehen aktuell die Brüder Daniel und Alex Dujshebaev, die zur laufenden Saison von Kielce in die Handball-Bundesliga gewechselt sind. Daniel hat seinen Weg zur MT Melsungen gefunden und ist dort auch in der Champions League aktiv. Sein älterer Bruder Alex steht beim VfL Gummersbach unter Vertrag.
Bei den Spaniern sind außerdem die starken Torhüter zu beachten. Sergey Hernández, der vom deutschen Meister SC Magdeburg zum Champions-League-Sieger FC Barcelona gewechselt ist, war schon oft ein entscheidender Faktor in Spielen. Hinzu kommt Gonzalo Pérez de Vargas. Bei der vergangenen WM gehörte er nach seiner Verletzung und der kurzen Zeit seit seiner Rückkehr noch nicht zum Team. In den vergangenen Monaten hat er beim THW Kiel wieder zu seiner alten Form gefunden. Mit diesen unterschiedlichen Torhütertypen sind die Spanier vielseitig aufgestellt und können ihre Gegner vor eine echte Herausforderung stellen.
Nicht zuletzt verdient Marcos Fis Ballester Aufmerksamkeit. Der Jungstar war eine der Überraschungen im spanischen Team bei der EM in diesem Jahr. Mit damals 18 Jahren spielte er ein herausragendes Turnier und zeigte, dass man ihn auf jeden Fall im Blick behalten sollte.
Seit 2016 ist Jordi Ribera Cheftrainer der spanischen Nationalmannschaft und hat das Team in dieser Zeit stark geprägt. Bevor er das Amt in Spanien übernahm, trainierte der 63-Jährige bereits die Nationalmannschaften Brasiliens und Argentiniens. Ob ihm seine Zeit in Südamerika in der Hauptrunde einen Vorteil verschafft, wird sich zeigen. Sein Team könnte dort auf mindestens eine dieser beiden Mannschaften treffen.
Hauptrunde mit Kracherpotenzial
In der Hauptrunde treffen die qualifizierten Teams aus Spaniens Gruppe C auf die qualifizierten Mannschaften aus Gruppe D. Dort spielen Argentinien, Frankreich, Brasilien und Kuwait. Die Hauptrundenspiele werden in der LANXESS arena in Köln ausgetragen. Auch die deutsche Nationalmannschaft wird dort auflaufen, sofern sie sich für die Hauptrunde qualifiziert.
Mit Frankreich könnte auf die Spanier ein echter Kracher warten. Die Franzosen haben gute Chancen, ihre Vorrundengruppe als Erster abzuschließen. In einem möglichen Hauptrundenduell wäre für Spanien dennoch alles möglich, wie die Mannschaft bei der letzten EM bewiesen hat. Ihren einzigen Sieg in der Hauptrunde holte sie gegen Frankreich.
Der französische Kader ist voller erfahrener Spieler und Ausnahmetalente wie Dika Mem und Ludovic Fabregas, die mit dem FC Barcelona die spanische Meisterschaft und den Champions-League-Titel gewonnen haben. Auch der linke Rückraumspieler Elohim Prandi von Paris Saint-Germain hat sich in der Vergangenheit als einer der Schlüsselspieler des französischen Teams erwiesen. Diese Partie würde Spitzenhandball auf höchstem Niveau und eine hochkarätige Besetzung auf beiden Seiten versprechen.
Bei den beiden südamerikanischen Teams Argentinien und Brasilien fällt der Blick nach den Ergebnissen der vergangenen WM zunächst auf Brasilien, das die bessere Platzierung erreichte. Argentinien zog zwar als Gruppendritter in die Hauptrunde ein, war dort aber allen Teams mit Ausnahme von Kap Verde deutlich unterlegen. Die Brasilianer dagegen beendeten die WM auf dem siebten Platz. Für sie war im Viertelfinale gegen die übermächtigen Dänen Schluss, die das Spiel mit zwölf Toren Unterschied klar für sich entschieden und später auch den WM-Titel gewannen.
Bei den jüngsten Südamerikaspielen in Santa Fe ging wiederum Argentinien als Sieger hervor, während Brasilien auf dem dritten Platz landete. Auch deshalb darf man gespannt sein, wie sich die beiden Mannschaften in möglichen Partien gegen Spanien schlagen.
Kuwait nimmt in Gruppe D die klare Außenseiterrolle ein. Das Team erreichte bei der diesjährigen Asienmeisterschaft das Halbfinale, gewann am Ende Bronze und qualifizierte sich damit für die kommende Weltmeisterschaft. Bei der letzten WM reichte es nach der Teilnahme am President’s Cup nur zu Platz 27. Voraussichtlich wird es für Kuwait schwierig, in die Hauptrunde einzuziehen. Doch dieser Sport schreibt immer wieder überraschende Geschichten, unterschätzen sollte man die Mannschaft daher nicht.
Auf Spanien warten in der Vorrunde und möglicherweise auch in der Hauptrunde hochkarätige Partien mit zahlreichen Topspielern. Wer die Spiele nicht verpassen möchte, kann sich auf handball2027.com Tickets sichern und die WM in Deutschland live vor Ort verfolgen.