Noch ruht der Ball in der Stuttgarter Porsche-Arena. Doch in weniger als einem halben Jahr steigt hier das größte Event im Welthandball: die IHF Men’s World Championship 2027. Die Vorbereitungen für das Turnier laufen auf Hochtouren. Die Spielorte stehen bereits seit geraumer Zeit fest, im Juni wurden die Gruppen ausgelost. Die Favoriten auf den Titel sind die üblichen Verdächtigen aus Dänemark und Frankreich. Doch welche Teams können dieses Jahr überraschen und zum Stolperstein für die großen Teams werden? Eine Antwort darauf könnten die Teams der Gruppe B sein:
Aufstrebende Handball-Nationen unter sich
Wenn es um mögliche Überraschungsteams bei einer Handball-Weltmeisterschaft geht, müssen die Ägypter zwangsläufig genannt werden. Seit Jahren dominieren sie den afrikanischen Handball; gewannen die letzten vier Austragungen der Afrikameisterschaft. Bei der Handball-WM träumt das Team des Weltklasse-Trainers Xavier Pascual seit Jahren vom Halbfinale. 2001 gelang zum einzigen Mal der Schritt in die Runde der letzten Vier. Bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften war im Viertelfinale Schluss. Besonders tragisch: 2021 verlor das Team im Siebenmeterwerfen gegen den späteren Weltmeister Dänemark. Die Ergebnisse zeigen, dass der Abstand zu den Top-Nationen marginal ist. Auch ein Blick auf die Stars im Team macht Hoffnung. Ahmed Hesham und Yehia El-Deraa sind tragende Säulen bei One Veszprém, Yahia Omar bei Paris Saint-Germain. Hesham und El-Deraa spielen sogar im Verein unter Trainer Pascual in Veszprém. Nun wollen sie gemeinsam ins Halbfinale der Handball-WM 2027.

Während Ägypten bereits seit Jahren zum erweiterten Favoritenkreis zählt, müssen sich die Italiener diesen Ruf erst erarbeiten. Die Mannschaft von Bob Hanning befindet sich allerdings auf einem guten Weg dorthin. Der italienische Handball entwickelt sich seit Hannings Amtsantritt 2025 stetig weiter. Im gleichen Jahr nahm das Team erstmals seit 1997 wieder an einer Weltmeisterschaft teil. In der diesjährigen Qualifikation besiegte die Mannschaft den Nachbarn aus der Schweiz- eine große Überraschung. Entscheidenden Anteil an den vergangenen Erfolgen hat ein Brüderpaar: Marco und Simone Mengon agieren im linken bzw. zentralen Rückraum. Sie spielen für den TVB Stuttgart, kennen die Porsche-Arena daher bestens. Die Brüder sind bekannt für ihr explosives Eins-gegen-Eins, worauf auch Trainer Hanning setzt. Dazu lässt er eine sehr offensive, unangenehme Abwehr spielen. Mit diesen taktischen Mitteln wollen die Italiener im Januar einige Favoriten ins Wanken bringen.
Das Pendant zu Italien in Europa ist Kap Verde in Afrika. Der kleine Inselstaat hat sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. 2020 nahm die Mannschaft erstmals an einer Afrikameisterschaft teil. Zwei Jahre später gewann sie direkt die Silbermedaille. Es folgten zwei weitere Halbfinalteilnahmen. Auch bei Weltmeisterschaften steigerte sich das Team: Bei der ersten Teilnahme 2021 blieb nur der undankbare letzte Platz, 2023 und 2025 gelang der Sprung in die Hauptrunde. Am Ende stand jeweils Platz 23 zu Buche. Bei der vergangenen Endrunde hielten man gegen Argentinien und Ägypten lange gut mit, verlor am Ende knapp. Im Januar trifft das Team erneut auf Ägypten. Die Spieler von Trainer Ljubomir Obradović möchten dieses Mal das bessere Ende auf ihrer Seite haben. Ein Erfolg gegen die Ägypten oder auch die Italiener wäre bereits eine Überraschung.
Für eine Überraschung in der Gruppe B möchte auch Saudi-Arabien sorgen. Das Team erhielt eine von zwei Wildcards der IHF, um am Turnier teilzunehmen. Saudi-Arabien sei “eine der führenden Nationen bei der Entwicklung des Handballsports in Asien”, begründet die IHF ihre Entscheidung. Neben Italien und Kap Verde ist somit eine dritte aufstrebende Handball-Nation in Gruppe B vertreten. Für Saudi-Arabien wird es jedoch bereits die elfte Teilnahme an einer Handball-Weltmeisterschaft. Das beste Ergebnis: der 19. Platz 2013. Um dieses Ergebnis zu überbieten, müsste mindestens ein Sieg in der Vorrunde gelingen. In der ausgeglichenen Gruppe B wäre sogar ein zweiter Sieg nicht undenkbar. Vor allem in den Duellen gegen Kap Verde und Italien will die Mannschaft überraschen. Der Blick auf den Spielplan verspricht daher viel Spannung in Stuttgart.
Besonderes Augenmerk auf dem dritten Spieltag
Den Auftakt machen am 13. Januar um 18:00 Uhr Italien und Saudi-Arabien. Im Anschluss folgt um 20:30 Uhr die Partie zwischen Ägypten und Kap Verde. Insbesondere zu Turnierbeginn sollten die Italiener und Ägypter gewarnt sein. Kap Verde und Saudi-Arabien werden sicherlich mit viel Euphorie in das Turnier starten und für die erste Überraschung sorgen wollen. Die Spiele versprechen viel Leidenschaft und Kampf.
Sollte die Überraschung am ersten Spieltag nicht gelingen, bietet sich zwei Tage später die nächste Gelegenheit. Saudi-Arabien eröffnet den zweiten Spieltag in Gruppe B erneut um 18:00 Uhr- dieses Mal gegen Ägypten. Um 20:30 Uhr schließt die Partie Kap Verde gegen Italien den Spieltag ab.
Sollten sich in beiden Spielen jeweils die Favoriten, Italien und Ägypten, durchsetzen, stünde ein spannendes Gruppenfinal bevor. Kap Verde und Saudi-Arabien würden am 17. Januar um 18:00 Uhr um den Einzug in die Hauptrunde kämpfen. Italien und Ägypten würden im Anschluss um 20:30 Uhr im direkten Duell den Gruppensieger ermitteln. Darüber hinaus würde der Sieger der Partie zwei wichtige Punkte mit in die Hauptrunde nehmen. Die Tür zum Viertelfinale würde sich damit schon ein Stück weit öffnen. Die Zuschauer in der Stuttgarter Porsche-Arena dürfen sich somit auf Überraschungssiege oder ein spannendes Gruppenfinal freuen. Möglicherweise sogar beides. Hier gibt es den gesamten Spielplan in der Übersicht.
Lange Handball-Tradition in der Porsche-Arena
Die Spieler dürfen sich hingegen auf eine großartige Stimmung in einer hochmodernen Arena freuen. Marco und Simone Mengon kennen die Atmosphäre, die das Stuttgarter Publikum bei Heimspielen des TVB Stuttgart entfachen kann. Sie verhelfen dem Team regelmäßig zu Überraschungssiegen gegen die Top-Teams der Handball-Bundesliga.

Doch die Verbundenheit zwischen Arena und Handballsport reicht weit über den TVB Stuttgart hinaus. Bereits 2007 war die Arena Spielort der Handball-Weltmeisterschaft. Im Anschluss trug Bundesligist Frisch Auf Göppingen hier gelegentlich seine Heimspiele aus. Dasselbe gilt für den Damen-Bundesligisten TuS Metzingen. Sie knackten 2016 in der Porsche-Arena sogar den Zuschauerrekord der HBF. Den Verantwortlichen des DHB blieb die Arena ebenfalls in guter Erinnerung. Zahlreiche weitere Länderspiele wurden hier ausgetragen. Im Januar 2027 kehrt der Verband 20 Jahre später erneut für die Handball-Weltmeisterschaft zurück nach Stuttgart.
Die Zuschauer der Gruppe B dürfen sich somit auf eine tolle Arena mit viel Handball-Tradition und spannende Spiele in Gruppe B freuen. Vielleicht verhelfen sie einem der Teams erneut zu einem Überraschungssieg in Stuttgart.
Fotos: Sascha Klahn/Kenny Beele