Hugo Descat
Weltklasse-Handball in Stuttgart: Frankreich und seine Herausforderer

Es ist das größte Ereignis im Welthandball: die IHF Men’s World Championship. Vom 13. bis zum 31. Januar 2027 findet die 30. Auflage in Deutschland statt. Auch bei den Fans ist die Vorfreude groß: Schließlich können sie alle Stars ihres Lieblingssports live in den sechs Arenen sehen. Zu den größten Stars zählen zweifelsfrei die Spieler der französischen Nationalmannschaft. Sie wollen auch 2027 erneut um den Titel mitspielen, doch starke Konkurrenz wartet bereits in der Vorrunde in Stuttgart. Höchste Zeit einen genaueren Blick auf die Gruppe D zu werfen:

 

Starensemble, südamerikanische Rivalen und ein Handball-Exot

 

Die Rollenverteilung in der Gruppe D scheint klar zu sein. Der Favorit auf den Gruppensieg sind die Franzosen. Seit Jahrzehnten zählen sie zu den heißesten Anwärtern auf den Weltmeistertitel, haben einen reich beschmückten Trophäenschrank. Doch die Erfolge rühmen aus der Vergangenheit, die Dominanz der 2010er Jahre ist längst verflogen. Zuletzt standen die Franzosen 2017 mit Spielern wie Nikola Karabatić, Thierry Omeyer oder Daniel Narcisse ganz oben auf dem Podium einer Handball-Weltmeisterschaft. Zehn Jahre nach dem letzten Titelgewinn soll es wieder klappen mit dem Titel. Die Qualität besitzt das Team allemal. Nedim Remili, Ludovic Fabregas und Dika Mem zählen zu den Besten auf ihrer Position im internationalen Vergleich. Sie sind seit Jahren fester Bestandteil des Teams. Neu dabei ist hingegen ein weiterer Star: Talant Dujshebaev. Der Trainer übernahm im Februar 2026 das Traineramt. Er soll das entscheidende Puzzleteil für den siebten Titelgewinn sein.  

 

Diesem Vorhaben stehen bereits in der Vorrunde zwei südamerikanische Top-Teams im Wege. Argentinien und Brasilien dominieren den südamerikanischen Handball, wie es die Franzosen lange in Europa taten. Die 2020 neu eingeführte Kontinentalmeisterschaft, die Süd- und zentralamerikanische Handballmeisterschaft, machen beide Teams regelmäßig unter sich aus. 2022 und 2024 sicherten sich die Brasilianer den Titel, 2020 und 2026 gewannen die Argentinier. Die Ausgeglichenheit beider Teams verdeutlicht die Tordifferenz in den direkten Duellen. Sie betrug nie mehr als drei Tore. Die Zahlen versprechen viel Spannung für das direkte Duell kommenden Januar in der Porsche-Arena.

 

Doch nicht nur das verspricht Spannung: Beide Teams machten in den vergangenen Jahren auch bei Handball-Weltmeisterschaften auf sich aufmerksam. Die Argentinier erreichten 2021 mit dem elften Platz ihr bestes Ergebnis jemals, schlugen sogar die Kroaten. Am Ende fehlte lediglich ein Tor zum Einzug ins Viertelfinale. Der Star im Team war lange Zeit Diego Simonet. Der Spielmacher beendete jedoch vor Kurzem seine Karriere. Die Fans dürfen gespannt sein, wer sein Erbe als Anführer der Mannschaft bei der Handball-Weltmeisterschaft 2027 antreten wird.

 

Die Brasilianer bewiesen ihre Konkurrenzfähigkeit bei der jüngsten Handball-Weltmeisterschaft 2025. Angeführt von Kreisläufer Rogério Moraes sowie den Rückraumschützen Bryan Monte und Haniel Langaro spielte sich das Team in einen wahren Rausch. Die Top-Nationen aus Norwegen, Schweden und Spanien hatten alle samt das Nachsehen. Erst im Viertelfinale war gegen die übermächtigen Dänen Schluss. Der finale siebte Platz spiegelt dennoch die beste Platzierung jemals wider. Die vergangenen Ergebnisse der Argentinier und Brasilianer sollte Warnung genug für die Franzosen sein.

 

 

Komplettiert wird die Gruppe von Kuwait. Die Asiaten sind der klare Außenseiter in dieser Gruppe. Ein Sieg gegen eines der drei anderen Teams gliche einer riesigen Überraschung. Die beste Platzierung bei einer Handball-Weltmeisterschaft war der 15. Platz 1982. Bei der vergangenen Austragung landete das Team auf dem 28. Rang. Deutlich konkurrenzfähiger ist das Team bei Asienmeisterschaften. 1995, 2002 und 2004 konnte Kuwait diese sogar gewinnen, 2026 reichte es mit dem dritten Platz wieder für eine Medaille nach 22 Jahren. Den Schwung aus dem Turnier will das Team im Januar zur Weltmeisterschaft nach Deutschland mitnehmen.  

 

Südamerika-Duell direkt zum Auftakt

 

Bereits am ersten Spieltag wartet auf die Asiaten allerdings der große Favorit aus Frankreich. Am 14. Januar stehen sich beide Teams in der Porsche-Arena in Stuttgart gegenüber. Vorher steigt das mit Spannung erwartete Duell zwischen Argentinien und Brasilien. Dieses Duell der beiden Erzrivalen verspricht nicht nur viel handballerische Qualität, sondern auch eine Menge Kampf, Leidenschaft und Emotionen.  

 

Zwei Tage später wartet für die Franzosen im ersten Spiel des Abends der erste Härtetest. Die Brasilianer werden dem Team von Talant Dujshebaev alles abverlangen, wollen erneut zum Stolperstein werden. Den zweiten Spieltag schließt die Partie zwischen Kuwait und Argentinien ab. Die Südamerikaner sind hier klarer Favorit.  
Dasselbe gilt am 18. Januar auch für die Brasilianer. Sie eröffnen den dritten Spieltag gegen Kuwait. Im Anschluss folgt das Gruppenfinale zwischen Argentinien und Frankreich.  

 

Die genaue Ansetzung der Spiele steht noch aus. Fest steht bereits, dass die erste Partie jedes Spieltags um 18:00 oder 18:30 Uhr stattfindet. Die zweite Partie findet entsprechend um 20:30 oder 21:00 Uhr statt. Eine Übersicht über den aktuellen Spielplan gibt es hier.

 

Mögliche Heimspiel-Atmosphäre für Frankreich

 

Gespielt wird in der Porsche-Arena. Die Heimspielstätte des Bundesligisten bietet Platz für 6.200 Zuschauer. Die hochmoderne Arena ist dem Sport sehr verbunden. Bereits 2007 wurden hier Spiele der Handball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Letztmalig kehrte der Deutsche Handballbund 2025 nach Stuttgart zurück. Die Porsche-Arena war Austragungsort der Heim-WM der Frauen 2025. Die Verbundenheit zum Sport spiegeln unter anderem auch die naheliegenden Gebäude wider. Direkt neben der Porsche-Arena liegen mit der MHP Arena, Stadion des VfB Stuttgart und der Scharrena weitere Sportveranstaltungsstätten.  

 

 

Über die Lage der Arena werden sich auch die französischen Fans freuen. Bereits vor der Auslosung war Frankreich als Kopf der Gruppe D in Stuttgart gesetzt. Die Porsche-Arena liegt nur knapp 90 Minuten Fahrt von der deutsch-französischen Grenze entfernt. Für viele Franzosen aus dem Westen des Landes bietet sich ein Tagestrip mit dem Auto zu den Spielen an. Ein lautstarker französischer Fanblock könnte der entscheidende Vorteil in einer ausgeglichenen Vorrunde sein. 

 

Fotos: Marco Wolf/Sasa Pahic Szabo/Kenny Beele