Es ist das Highlight der Saison 2026/27: die Handball-WM 2027 in Deutschland. 32 Nationen wollen nach dem Finale am 31. Januar ganz oben auf dem Treppchen stehen. Logisch, dass die Nationaltrainer die besten Spieler ihres Landes nominieren. Weltstars wie Mathias Gidsel, Dika Mem und Andreas Wolff werden im Winter in den Hallen Deutschlands auflaufen. Sie sind die Gegenwart des Handballs. Doch welche Spieler sind eigentlich die Zukunft des Handballs? Wer sind die Nachfolger der Generation um Gidsel, Mem und Wolff? Einige dieser Spieler kämpfen in der Gruppe F mit ihren Teams um den Einzug in die Hauptrunde.
Färingisch, portugiesisches Familien-Duell
Zwei heiße Kandidaten auf das Erbe Gidsels als Welthandballer haben die Portugiesen in ihren Reihen. Die Brüder Martim und Francisco “Kiko” Costa sind aber nicht nur Versprechen für die Zukunft, sondern bereits Teil der Gegenwart. Gemeinsam laufen sie für Sporting Lissabon in ihrer Heimat auf, und werden beide ab Sommer 2027 in der Bundesliga bei der SG Flensburg-Handewitt spielen. Seit einigen Jahren mischen sie den europäischen Handball auf. Beide waren bereits bei der vergangenen Weltmeisterschaft im All-Star Team. Kiko als bester junger Spieler, Martim wurde als bester Spielmacher ausgezeichnet. Dennoch sind sich viele Experten einig: die Brüder sind noch nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Dasselbe gilt für den portugiesischen Handball. Die Mannschaft verfügt nämlich über weitere Spieler auf Weltklasse-Niveau. Allen voran Kreisläufer Luís Frade ist am offensiven Ende nur schwer zu stoppen. Hinten stabilisiert Salvador Salvador die Abwehr. Alle vier sind entscheidende Bausteine des portugiesischen Aufschwungs. Nach dem starken vierten Platz bei der Handball-Weltmeisterschaft 2025 soll es nun mit der Medaille klappen.

Von einer Medaille bei einer internationalen Meisterschaft können die Einwohner Färöers aktuell nur träumen. Mit diesen Träumen ist allerdings auch viel Hoffnung verbunden. Diese setzen die Färinger vor allem in eine Familie. Das bekannteste Gesicht der Familie ist Elias Ellefsen á Skipagøtu. Der Spielmacher des THW Kiel ist zwar erst 24 Jahre jung, spielt aber bereits seit drei Spielzeiten beim deutschen Rekordmeister. Skipagøtu zählt zu den hoffnungsvollsten Talenten weltweit auf Rückraum Mitte. Genau deshalb wurde er 2023 als U23-Welthandballer ausgezeichnet. Elias Ellefsen á Skipagøtu läuft in der Nationalmannschaft ebenfalls mit seinem Bruder auf. Rói Ellefsen á Skipagøtu ist als Allrounder im Rückraum flexibel einsetzbar, jedoch nicht ganz so talentiert wie sein großer Bruder.
Dieses Talent wurde stattdessen ihrem Cousin Óli Mittún in die Wiege gelegt. Der Spielmacher des dänischen Spitzenteams GOG ist genau wie Kiko Costa im Jahr 2005 geboren worden. Ihm gehört zweifelsfrei die Zukunft des Handballs. Bei der U18- Europameisterschaft sowie der U19- und U21-Weltmeisterschaft der Jahrgänge 2004 und jünger wurde Mittún jeweils Torschützenkönig und Teil des All-Star Teams. Gemeinsam mit Cousin Elias steuern sie das Spiel der Färinger. Beide bestechen durch ihre dynamischen Eins-gegen-Eins, Spielwitz und schnelles Passspiel. Dabei setzen sie beide immer wieder gekonnt ihre Brüder in Szene. Denn auch Oli Mittúns Bruder Pauli ist Teil der Nationalmannschaft. Gemeinsam haben sie in der Qualifikation zur Handball-Weltmeisterschaft Historisches erreicht. Es ist die erste Teilnahme an einer WM für ihre Männer-Nationalmannschaft in der Verbandsgeschichte. Im Januar wollen sie Erfolgsgeschichte fortführen und das Familien-Duell gegen die Costas gewinnen.
Doch die Gruppe C der Handball-Weltmeisterschaft bietet mehr als Portugal und die Färöer. Als ehemaliges Schwergewicht des internationalen Handballs dürfen die Polen keineswegs unterschlagen werden. Die ruhmreichen Jahre der polnischen Nationalmannschaft liegen mittlerweile knapp 20 Jahre in der Vergangenheit. Angeführt von Torhüterlegende Sławomir Szmal und den Brüderpaaren Marcin und Krzysztof Lijewski sowie Bartosz und Michał Jurecki gewann das Team 2007 die Silbermedaille. 2009 folgt die Bronzemedaille. In der Folge ging es allerding stetig bergab. Der negative Höhepunkt war das Vorrundenaus bei der vergangenen Weltmeisterschaft 2025 Das schwache Abschneiden will das Team im Januar 2027 vergessen machen. Entscheidende Eckpfeiler im Team sind die international erfahrenen Stars Arkadiusz Moryto und Kamil Syprzak. In Piotr Mielczarski haben die Polen ebenfalls ein hoffnungsvolles Talent für die Zukunft ihren Reihen. Deutschen Handballfans dürfte auch Maciej Gebala ein Begriff sein, Kreisläufer des HC Erlangen in der Bundesliga. Alle vier hoffen auf eine annähernd erfolgreiche Weltmeisterschaft, wie sie Szmal und Co. 2007 in Deutschland erlebt haben.
Das vierte Team der Gruppe ist Algerien. Das Team ist in der starkbesetzten Gruppe F der klare Außenseiter, hofft ebenso wie die Polen auf eine Trendwende. Denn auch im algerischen Handball sind die glorreichen Zeiten längst vorbei. In den 80er und 90er Jahren dominierte die Nationalmannschaft den afrikanischen Handball. Siebenmal konnte das Team die Afrikameisterschaft gewinnen, zuletzt allerdings 2014. Nun soll mit einem neuen Trainer der Aufschwung gelingen. Raúl Alonso heuerte im Mai 2026 beim algerischen Verband an. Der Handball-Fachmann hat in seiner Karriere bereits viel gesehen, war in verschiedenen Funktionen auf der ganzen Welt im Profihandball tätig:
- THW Kiel (Co-Trainer)
- DHB-Stützpunkt-Trainer
- Handball Tirol (Cheftrainer)
- Brest GK Meschkow (Co-Trainer & Cheftrainer)
- HC Erlangen (Sportdirektor & Cheftrainer)
- RK Eurofarm Pelister (Cheftrainer)
- SC DHfK Leipzig (Cheftrainer)
Die langjährige Erfahrung soll nun dem algerischen Team zugutekommen. Mit seinen Spielern will Alonso für eine Überraschung sorgen und in der Hauptrunde einziehen.
Viel heimische Unterstützung auf den Rängen erwartet
Die erste Gelegenheit bietet sich am 14. Januar um 18:00 Uhr. Im ersten Spiel des Abends trifft Alonso mit seiner Auswahl auf die Färinger. Die Nordlichter dürfen auf eine große Unterstützung hoffen. Viele Einwohner des Inselstaates reisten bereits zur EHF EURO 2024 und 2026, um ihr Team lautstark zu unterstützen. Ein großer Anhang wird auch 2027 in Deutschland erwartet.
Im zweiten Spiel des Tages werden die Costa-Brüder erstmals ihre Visitenkarte abgeben. Die Partie gegen Polen wird um 20:30 Uhr angepfiffen.
Auch am zweiten Spieltag werden die Algerier das erste Spiel bestreiten. Dieses Mal geht es am 16. Januar um 18:00 Uhr gegen den Top-Favoriten aus Portugal. Das wohl stimmungsvollste Spiel folgt am Abend um 20:30 Uhr. Die Färinger treffen auf die Polen. In diesem Spiel können beide Teams eine Menge Unterstützung von den Rängen erwarten. Von der polnischen Grenze sind es lediglich zwei Stunden mit dem Auto zur GETEC Arena in Magdeburg.

Die Unterstützung der eigenen Fans soll auch zwei Tage später gegen Algerien zusätzliche Kräfte beim polnischen Team freisetzen. Am 18. Januar um 18:00 Uhr eröffnen beide Teams den dritten Spieltag.
Das heißersehnte Familien-Duell haben sich die Turnierplaner für den Abschluss der Gruppe F aufgehoben. Um 20:30 Uhr treffen die Portugiesen auf die Färinger. Vielleicht ein Duell zukünftiger Welthandballer.
Auf den Spuren eines Welthandballers
Austragungsort der sechs Partien ist die GETEC Arena in Magdeburg. Die Halle besitzt eine enge Verbundenheit zum Handballsport. Sie ist die Heimat des glorreichen SC Magdeburg und ist regelmäßig Spielort bei der Ausrichtung von Turnieren in Deutschland. 2027 wird neben den Gruppen F und H auch der President’s Cup in Magdeburg ausgespielt. Jeweils ein Team beider Gruppen wird dementsprechend all seine Spiele in der GETEC Arena austragen.
Bei der letztmaligen alleinigen Ausrichtung einer Handball-Weltmeisterschaft durch den Deutschen Handballbund im Jahr 2007 wurde ebenfalls in Magdeburg gespielt. Damals war die Arena noch als Bördelandhalle bekannt. In Nikola Karabatić spielte 2007 ein junger aufstrebender Spieler mit dem französischen Team in Magdeburg groß auf. Karabatić sollte in den Folgejahren noch dreimal zum Welthandballer gewählt werden. Möglicherweise steht einem Costa, Skipagøtu oder Mittún die gleiche Ehre bevor.
Fotos: Sascha Klahn
Weitere Informationen:
- Alle Spielorte der Handball-Weltmeisterschaft
- Der gesamte Spielplan in der Übersicht
- Weitere News rund ums Turnier